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08.09.2011 22:28

Herr Doktor Köhler, wen wollen Sie denn verarschen?


Heute, Einweihung der neuen Video-Lounge der Berlinischen Galerie, Landesmuseum für moderne Kunst, in Anwesenheit des Bänkers, der die Video-Lounge finanziert hat, Politikern, und der hohen Gesellschaft.

Als Eröffnungsrede erzählt Köhler, der Direktor des Museums, dass viel IT dahinter stecken würde, und dass es perfekt sein muss und auch perfekt geworden ist, usw. - der Bänker schließt sich an und erzählt, Video würde ihm gefallen, weil viel IT dabei sei.

Die pompös genannte Video-Lounge ist ein kleiner Saal, wo eine Kiste aus Pressspanplatten drei Sitzreihen bildet, ohne jegliche Polsterung, und ein Beamer auf eine 3x2 m Leinwand projiziert - Boxen sind auch dabei, ja.

Perfekt? Bänker der Investitionsbank Berlin? Für 5 m² Pressspanplatte und 1/2 Tag Tischlerarbeit inkl. Aufhängen des Beamers und sicherheitsvorschriftenkonformes Verstecken der Kabel?
Viel IT dahinter? DVD-Player an Beamer anschließen, Beamer an Boxen anschließen, einschalten, scharf machen, fertig - was hat das mit IT zu tun?
Warum hält es der Direktor des Museums für nötig, zu lügen und sein Publikum zu verarschen?

Dann erzählt der Bänker seine Begeisterung für Trading, wie künstlerisch-surrealistisch der Börsensaal sei, mit all den Bildschirmen (Bildschirme, Video, IT, ist ja wohl alles das Selbe), und wie flüchtig Geld sei, genauso wie Videokunst - dabei wird dem Publikum leicht unwohl, als es sich der Kluft bewusst wird zwischen dem einen Gerät à 2000 €, das die Bank großzügig dem Musem schenkt, den Tausenden von Geräten à 20 000 €, die in der selben Bank stehen, und den Milliarden, mit den auf diesen Geräten gepokert wird, aber wir sind alle gut erzogen und werfen keinem Geier vor, Aas zu mögen und dessen appetitlichen Geruch uns mitteilen zu wollen.

Später gehen wir in die Lounge und schauen uns die Videokunst an. Zwei Werke halten wir aus. Im Ersten bewegt sich die Kamera durch eine Gruppe von still stehenden Männern, während 10 Minuten lang die Geschichte eines Mannes erzählt wird, der im Zusammensturz eines Felsen am Meer umgekommen ist. Anschließend singen sie zwei Strophen eines deutschen Lieds für Männerchor. Das zweite Videokunstwerk ist ein gefilmter Theatermonolog - ein Foto von einer Skulptur ist ja auch ein Kunstwerk, also kann man Videokunst machen, indem man Theater filmt. Eine als Kabarettsängerin gekleidete Schauspielerin spielt Monica Lewinski - nach der Affäre, Voyeure sind wir ja nicht.
War es irgendwie schwierig, einen Männerchor beim Stehen und Singen zu filmen? Ist da Kraft drin, reisst es das Publikum mit? Ist die Nachgeschichte Monica Lewinskis irgendwie künstlerisch? Oder gesellschaftlich bedeutend - wenn keine Kunst uns angeboten wird, dann vielleicht Moral - 'tschulligung, "Gesellschaftskritik"? Nö. Leer, null, void. Geschmacksneutrale Kunsttechnik, die uns irgendwelche Anekdoten erzählt. Selbst der Bänker bleibt nicht mehr als drei Minuten sitzen, um sich seine Stiftung anzuschauen. Videokunst ist zu Kino wie Familienfotos aus dem Handy zu Helmut Newton. Warum kommt so n Krams ins Museum, und nach welcher Willkür wird der eine Bastler - 'tschulligung, "Künstler" auserwählt und der Andere nicht?


Pah. Meine Kunst hat mit IT zu tun, und sie steht hier kostenlos zu Verfügung. Bedienen Sie sich, Herr Museumsdirektor.